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„Bertelsmann Creative Management Program“

By Universum on 14/09/2016

Ein Traineeprogramm für Geisteswissenschaftler?

Nach vielen Jahren bietet Bertelsmann erstmals wieder ein Traineeprogramm für Berufseinsteiger auf Konzernebene an – und zwar speziell für Geistes- und Sozialwissenschaftler. Damit nimmt der Konzern deutschlandweit eine Vorreiterrolle ein. Zu den Hintergründen haben wir Dr. Nico Rose, Head of Employer Branding and Corporate Recruiting Programs, befragt.
 
Lieber Herr Dr. Rose, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Interview genommen haben. Geisteswissenschaftler sind üblicherweise nicht die Top-Favoriten für eine Managementkarriere. Sieht Bertelsmann das anders?
Ich gebe zu: Aus dem Corporate Center heraus haben auch wir uns bislang vor allem auf die BWLer gestürzt, wenn wir Managementnachwuchs gesucht haben. Doch uns ist bewusst geworden, dass viele unserer Top-Führungskräfte in unseren Divisionen schon heute gar keinen klassischen BWL-Hintergrund haben. Zum Beispiel hat Bernd Reichart, der Geschäftsführer unseres Fernsehsenders VOX, ursprünglich Sport und Englisch auf Lehramt studiert. Julia Jäkel, die Gruner+Jahr leitet, ist von Haus aus Historikerin und Politikwissenschaftlerin. Wir möchten den Nachwuchs aus den Geistes- und Sozialwissenschaften nicht länger außen vor lassen, wenn es um die Vorbereitung auf Managementkarrieren geht.
Ihr Traineeprogramm richtet sich exklusiv an diese Zielgruppe – hier sind es also die BWLer, die außen vor bleiben. Warum?
Wir haben im Markt eine Lücke entdeckt, die wir jetzt mit dem „Bertelsmann Creative Management Program“ schließen wollen. Unser Traineeprogramm hat die Botschaft: „Liebe Geisteswissenschaftler, ihr seid genau das, was wir brauchen. Und deshalb richtet sich dieses Angebot exklusiv an euch.“ Etwas Vergleichbares gibt es meines Wissens in Deutschland noch nicht. Dabei ist die Nachfrage, oder besser gesagt: der Schmerz, im Markt groß. Unzählige Geisteswissenschaftler warten auf ihre Chance, die ihnen aber oft verwehrt bleibt. Die BWLer benötigen wir natürlich trotzdem auch noch. Für sie gibt es ein breites Angebot. Zum einen verschiedene Formen des Direkteinstiegs, Geschäftsführungs- und Vorstandsassistenzen, sowie eine Reihe von Traineeprogrammen in unseren Divisionen.
In welcher Hinsicht können Geistes- und Sozialwissenschaftler denn besonders überzeugen?
Wenn wir unsere Top-Manager fragen, worauf wir bei der Suche nach neuen Mitarbeitern achten sollen, kommt immer wieder eine Antwort: „Leidenschaft für Kreativität!“ In der Medienbranche lässt sich der Erfolg eines Angebots nicht immer vorhersagen. Mit einer harten Analyse kommt man oft nicht weiter – man braucht Intuition und Mut. Wer hätte zum Beispiel vorausgesagt, dass eine Fernsehserie über eine Kinderkrebsstation so erfolgreich sein könnte, wie jetzt der „Club der roten Bänder“? Deshalb suchen wir Menschen, die leidenschaftlich für einen Stoff kämpfen, weil sie an ihn glauben. Wir denken, dass wir solche Talente unter Geistes- und Sozialwissenschaftlern finden können. Wer beispielsweise Altgriechisch oder Geschichte studiert, der macht das, weil er seiner Leidenschaft folgt, nicht der Karriere wegen. Solche Menschen suchen wir.
 Wer kann sich für das Traineeprogramm bewerben?
Ganz generell: Master-Absolventinnen und -Absolventen aus den Geistes-, Sozial-, Politik-, Medien-, Sprach- oder Kommunikationswissenschaften sowie der Soziologie oder eines journalistischen Studiengangs. Voraussetzung ist natürlich, dass sie ein ausgeprägtes Interesse an wirtschaftlichen Fragestellungen haben – und eine große Leidenschaft für das Medienbusiness.
Bereits im April nächsten Jahres sollen die ersten Teilnehmer starten. Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen?
Im Wesentlichen steht das Programm, wir starten gerade das Marketing und parallel auch die Auswahl. Ab April 2017 werden die Trainees innerhalb von 20 Monaten vier verschiedene Stationen absolvieren. Der Schwerpunkt wird auf unseren vier Content-Divisionen RTL Group, Penguin Random House, Gruner+Jahr sowie BMG liegen, aber auch Einsätze in den Service-Geschäften von Arvato sind geplant. Dazu gibt es ein attraktives Trainingsprogramm mit BWL-Grundlagen, wichtigen Tools für den Unternehmensalltag sowie Aspekten der Persönlichkeitsentwicklung und Karriereplanung. Aktuell denken wir zudem über Felder wie Storytelling und Design Thinking nach. Letztlich kommt es auch darauf an, welche Menschen wir konkret mit auf die Reise nehmen.
Was wünschen Sie sich für das Programm?
Zunächst bin ich gespannt, wie viele Bewerbungen wir erhalten – werden es 200 oder 2.000 sein? Später wird es natürlich interessant, wie viele der Trainees sich beweisen konnten und einen guten Job mit Potential auf eine Führungsrolle bekommen haben. In zehn, fünfzehn Jahren wird man dann sehen, ob es jemand bis ganz nach oben geschafft hat. Auf gewisse Art und Weise ist das Traineeprogramm auch ein Experiment. Wir wissen nicht genau, was am Ende dabei herauskommt. Genau deshalb macht es so viel Spaß!
Vielen Dank für die Einblicke, Herr Dr. Rose. Wir sind gespannt wie’s weitergeht!
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