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„Die Generation Z sucht etwas, findet etwas ganz anderes – und ist happy“

Interview mit Tim Kaltenborn, IUBH

Bald schon treten sie ins Arbeitsleben, noch sind sie an den Hochschulen anzutreffen: die Vertreterinnen und Vertreter der Generation Z. Tim Kaltenborn, Leiter Studienberatung und Salesmarketing an der Internationalen Hochschule Bad Honnef (IUBH), berichtet, wie er die junge Generation auf dem Campus erlebt und was Arbeitgeber erwartet.

Was müssen Arbeitgeber über die Studierenden von heute wissen?

Tim Kaltenborn: Inzwischen gehören etwa die Hälfte der Studierenden der zwischen 1997 und 2010 geborenen Generation Z an, also der Nachfolgegeneration der Millennials. Diese Generation ist sehr stark von ihrem sozioökonomischen Umfeld geprägt, in dem sie großgeworden ist – von der Wirtschaftskrise in Europa und der Rezession in den USA bis hin zum Erstarken von militärischen Konflikten. Ihnen ist bewusst, dass es im Leben nicht nur Gewinner geben kann und dass das „Höher, Schneller, Weiter“ Grenzen hat. Gleichzeitig gibt es in dieser Generation keine „Digital Natives“ mehr, sondern eher „Digital Aborigines“, die in einer Welt ohne Internet völlig verloren wären. Während die Generation Y im Schnitt drei Devices benutzte, sind es in der Generation Z fünf: Smartphone, TV, Laptop, Desktop und Musik-Player oder Tablet.

Hat sich das Auftreten der Studierenden in den vergangenen Jahren sehr verändert?

Tim Kaltenborn: In der Tat! Wir erleben immer mehr Studierende, die sich auf dem Campus nicht mehr in dem Maße engagieren, wie das früher einmal war. Die Zahl der Studierenden, die an extra-curricularen Veranstaltungen teilnimmt und sich in Komittees, Clubs oder Societies für ihre Kommilitonen engagiert, ist rapide gesunken – ein Vorbote für das, was Arbeitgeber erwartet. Dabei sind laut der Studien von Gallup ja heute schon 85 Prozent der Mitarbeiter „not engaged“ oder „actively disengaged“. In den Vorlesungen müssen wir uns mehr und mehr auf die „digitale Realität“ einstellen. In einer Umfrage von Unit4 aus dem Jahr 2016 gaben 79 Prozent der Studierenden an, dass es für sie emotionalen, also negativen Stress bedeutet, wenn sie nicht mit ihren eigenen elektronischen Geräten arbeiten dürfen. Gut ein Drittel der Befragten denkt sogar, dass sie weniger für das Studium tun, weil die Adminangelegenheiten zu komplex, anders ausgedrückt: zu analog, sind. Wie erwähnt, ist sich die junge Generation bewusst, dass es im Leben nicht nur Gewinner gibt. Daher sind sie sehr kompetitiv und leistungsorientiert. Sie sind stark auf sich selbst fokussiert und streben nach Unabhängigkeit. Toleranz und Vielfalt sind ihnen dabei aber nach wie vor wichtig. Die Generation Z ist beeinflusst von ihren „Superhelden“, die ihr eigenes Ding machen. Superman hat ausgedient. Jetzt sind es digitale „Helden“, Vlogger und Youtube-Stars, zu denen man aufschaut.

Was bedeutet Karriere für diese Generation?

Tim Kaltenborn: Dem klassischen Karrierebegriff ist sie endgültig entwachsen. Großgeworden in der digitalen Revolution, wissen die Studierenden heute, dass sie immer weiter dazulernen müssen, um sich fit für das Arbeitsleben zu halten – Stichwort: Lifelong Learning. Sie möchten Erfolg haben im Arbeitsleben, allerdings nicht im Sinne der bislang typischen Karriere, die mit Stress assoziiert wird. Die Arbeit soll – wie alles im Leben der Generation Z – Spaß machen und einen Sinn haben.

Wie ist deine persönliche Einschätzung: Was erwartet diese Studentengeneration von Arbeitgebern?

Tim Kaltenborn: Besonders wichtig ist Ehrlichkeit. Von Arbeitgebern wird erwartet, dass sie offenbaren, wer sie wirklich sind. Die jungen Menschen wollen erleben, wie es tatsächlich ist, dort zu arbeiten. Sie wünschen sich ein sinnerfülltes Umfeld und eine aktive Unternehmenskultur, die eben nicht nur auf dem Papier existiert. Das Gehalt scheint dagegen eine immer weniger wichtige Rolle zu spielen. Sehr gefragt ist Support in allen Lebenslagen. Gleichzeitig stehen sie ihrerseits nicht mehr für eine kontinuierliche Erreichbarkeit zur Verfügung, wie sie heute von vielen Unternehmen vorausgesetzt wird. Bezogen auf ihren eigenen Einsatz, ist es den Mitgliedern der Generation Z wichtig, strikt zwischen Arbeit und Privatleben zu trennen.

Welche Tipps hast du für Arbeitgeber?

Tim Kaltenborn: Da die junge Generation selten genaue Vorstellungen davon hat, wohin die berufliche Reise gehen soll, sollten Arbeitgeber ihre Zielgruppen überraschen und dort mit ihnen in Kontakt treten, wo diese es nicht erwarten – insbesondere offline, denn neueste Studien von Google und IBM gehen davon aus, dass 2020 wieder über 85% Prozent der (Kauf-)Entscheidungen offline getroffen werden, auch wenn sie online beeinflusst werden. Die Generation Z sucht etwas, findet etwas ganz anderes und ist extrem happy damit. Auch wenn es nicht unbedingt dem aktuellen Arbeitgeber dienen wird, empfehle ich, Unabhängigkeit zu unterstützen und eine kontinuierliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. Das gleiche gilt für die Sinnsuche. Wie schon Steve Jobs sagte: „It’s not about money, it is about people (and how you lead them).“ Die Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit steht für die junge Generation stark im Vordergrund. Selbstverständlich kann man Arbeitgebern auch nur dazu raten, sich an das digitale Verhalten der neuen Generation anzupassen – von nutzerfreundlichen Bewerbungstools, Stichwort: „One Click“ bis hin zum Ermöglichen des Arbeitens mit eigenen Devices. Und man kann es nicht oft genug betonen: Unternehmen sollten an authentischen Arbeitgebermarken arbeiten, denn diese werden in Zukunft noch wichtiger sein als Produktmarken.

Herzlichen Dank für das interessante Interview, Tim!
[caption id="attachment_1100006679" align="alignleft" width="1024"] Tim Kaltenborn, Leiter Studienberatung und Salesmarketing, Internationale Hochschule Bad Honnef (IUBH)[/caption]