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Interview mit Florian Bruhns, KWS SAAT SE: „Dieses Ranking kann man nicht kaufen“

Wie gelingt es Unternehmen, im Arbeitgeberranking weiter aufzusteigen? Zu diesem Thema haben wir mit Florian Bruhns einen spannenden Gesprächspartner gefunden, der viele Tipps aus der Praxis geben kann. Er ist für das Corporate Employer Branding und Talent Sourcing bei KWS SAAT SE verantwortlich – einem Unternehmen, das sich im Ranking der Studierenden der Naturwissenschaften zuletzt um sechs Plätze verbessern konnte.

Universum: Herr Bruhns, weshalb ist es für Sie wichtig, wie KWS in den Universum-Rankings abschneidet?

Florian Bruhns: Mich interessiert das Universum-Ranking deshalb so sehr, weil ich davon überzeugt bin, dass man dieses Ranking nicht kaufen kann. Ich glaube, dass dies in der Zukunft noch relevanter werden wird. Unsere Zielgruppen nehmen sehr wohl wahr, welche Rankings unabhängig sind, und werden künftig noch viel stärker darauf achten. Was ich außerdem an diesem Ranking schätze, ist, dass ich ein sehr gutes Feedback unserer Zielgruppen erhalte. Ich erfahre im Detail, wie bekannt wir sind und wie attraktiv wir erscheinen – und worauf diese Attraktivität zurückzuführen ist. Ich erhalte eine Menge an Informationen und kann abgleichen, inwieweit die Wahrnehmung mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Externes Employer Branding kann nur gelingen, wenn Sie intern auch klar sind, wofür Sie stehen.

Universum: Sie sagen, die Glaubwürdigkeit von Rankings wird künftig eine noch größere Rolle spielen – warum?

Florian Bruhns: In den vergangenen Jahren hat sich die Akzeptanz der Art, wie man kommuniziert und in Kontakt tritt, sehr stark verändert, sodass wir als Unternehmen auch im Bereich Employer Branding darauf reagieren müssen. Früher gab es häufig Employer-Branding-Kampagnen, die den Wunsch von außen wiedergespiegelt haben. Das waren reine Werbekampagnen. Ob es stimmte oder nicht, war zweitrangig. Die Menschen haben dann intern etwas anderes wahrgenommen, waren überrascht, haben es aber nicht weiter hinterfragt und sind geblieben. Das passiert immer weniger.

Durch die Möglichkeit, heutzutage fast jede Information im Netz lesen zu können, ist es umso wichtiger, dass wir als Unternehmen sehr transparent, offen, ehrlich, direkt und sehr schnell kommunizieren – und dass wir viel authentischer und wahrhaftiger sind. Das macht einen großen Unterschied.

Menschen kriegen immer mehr Informationen, werden immer unsicherer, und es wird immer schwieriger, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Umso mehr freut sich der Mensch, wenn er weiß: Das, was ich dort bekomme, muss ich nicht hinterfragen. Das ist so. Ich glaube, diese Sicherheit zu geben, wird für Unternehmen sehr wichtig – sich klar zu positionieren und zu sagen: Das sind wir, und das ist unsere Rolle, die wir in der Gesellschaft sehen. Das gilt für Arbeitgeber genauso wie für die Rankings, in denen sie vertreten sind.

Universum: Was unternehmen Sie, damit KWS im Universum-Ranking weiter aufsteigt?

Florian Bruhns: Talente, die uns kennen, wissen überproportional viel von uns, sind meist positiv von uns eingenommen und möchten sehr häufig auch bei uns arbeiten. Unsere Herausforderung liegt an anderer Stelle: Wir müssen bekannter werden! Dabei half uns zum Beispiel eine Social-Media-Kampagne. Tatsächlich trug sie dazu bei, in kurzer Zeit unsere Bekanntheit messbar zu steigern, und wir verbesserten uns auch im Ranking bei unserer Zielgruppe. Wir haben dazu eine Projektgruppe aufgesetzt, um unsere Social-Media-Aktivität in der Zukunft neu aufzusetzen und diesen Kanal noch stärker zu nutzen, weil wir merken, dass das eine große Chance für uns ist.

Universum: Von Social Media abgesehen: Welche Maßnahmen haben geholfen, Talente für KWS zu gewinnen?

Florian Bruhns: Wir sind mehr zu den Menschen rausgegangen. Und zwar genau dorthin, wo die sind, die wir suchen. Wir haben also Analysen gemacht, wo wir in unserem Unternehmen Wachstum sehen – sprich: welche Kompetenzen gefordert sind. Dann haben wir Zielgruppen definiert, die nicht nur den Background, sondern auch die Persönlichkeit umfassen. Um uns sichtbar zu machen, haben wir an Karrieremessen teilgenommen oder Vorträge an ausgewählten Hochschulen gehalten. Das ist ein bisschen „Klinken putzen“. Aber wir versuchen es eben nicht mit der Gießkanne, sondern gehen ganz speziell nur dorthin, wo es auch wirklich Sinn macht. Da ist die Analyse vorher wichtig. So können wir mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, den größtmöglichen Erfolg gewährleisten.

Universum: Viele Unternehmen stehen vor der großen Herausforderung, IT-Talente für sich zu begeistern. Wie sieht das bei KWS aus?

Florian Bruhns: Es gibt auch bei uns in der IT gewisse Berufsgruppen, da suchen wir länger – absolut. Die meisten unserer Kolleginnen und Kollegen sind hier im Headquarter in Einbeck. Wir haben uns trotzdem entschieden, einen neuen Standort für bestimmte Unternehmensbereiche in Berlin zu eröffnen. Dort werden wir zukünftig viele Kolleginnen und Kollegen haben – von HR, über Controlling, Finanzen und möglicherweise auch ein paar ITler, …

Für einige Leute ist es vielleicht attraktiver, in eine große internationale Hauptstadt zu gehen als nach Einbeck. Beide Städte haben natürlich ihre positiven Seiten. Trotzdem ist Berlin wichtig als Alternative. Es spiegelt unsere Internationalität und gleichzeitig unsere deutschen Wurzeln wieder, zugleich erweitert es unser Angebot, uns als Arbeitgeber in Betracht zu ziehen. Das ist ein großer Schritt für uns, aber wir sind überzeugt, dass es der richtige ist.

Darüber hinaus machen wir uns viele Gedanken über die Art, wie wir miteinander arbeiten: Muss man immer im Büro sitzen? Oder ermöglicht es die Arbeitssituation auch, von zuhause, von unterwegs, in Plugin-Büros zu arbeiten? Da sind wir sehr offen für Innovationen. In Kürze treffen wir uns in einer Arbeitsgruppe mit anderen Unternehmen und Forschern, um anzuschauen: Wie könnten Arbeitsplätze und Arbeit in der Zukunft aussehen, um den Anforderungen von außen besser gerecht zu werden?

Universum: Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Herr Bruhns!