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„Der Kandidat ist auch ein Kunde“ – Interview mit Monica Wertheim, Rheinmetall Group

Seit 1. März diesen Jahres leitet Monica Wertheim das Recruiting Center der Rheinmetall Group. Ihre aktuelle Aufgabe bezeichnet sie gerne als „Operation am offenen Magen, während ich den Patienten füttere“. Denn neben der Umstellung von einem dezentralen auf ein zentrales Recruiting und Personalmarketing sowie der Analyse des internen wie externen Marktes haben sie und ihr neu geformtes Team auch die Business Continuity zu gewährleisten. Im Interview mit „Employer Branding Today“ berichtet sie hierüber – und über die Trends, die sie aktuell im Employer Branding beobachtet.

Frau Wertheim, was hat Sie an Ihrer neuen Aufgabe besonders gereizt?

Monica Wertheim: Dass sich die Rheinmetall Group entschieden hat, ihren dezentralen Ansatz im Recruiting und Personalmarketing hinter sich zu lassen und eine Zentralisierung vorzunehmen. Vorher hatte jede Einheit für sich Kollegen, die sich um Recruiting und Personalmarketing gekümmert haben. Das war natürlich nicht deutschlandweit abgestimmt, sodass es sehr viele Unschärfen gab. Für die Zielgruppen entstand ein unklares Bild.

Rheinmetall hat erkannt, dass es heute von existentieller Bedeutung ist, mit einer Stimme zu sprechen. Wir sind ein Hochtechnologieunternehmen mit zwei vernetzten Säulen: Automotive und Defence. Es ist ein Muss, dass wir uns als Arbeitgeber auch so präsentieren – und den zukünftigen Kandidaten nicht irritieren mit zu viel Klein-Klein. Ganz abgesehen von den Möglichkeiten, die sich jetzt eröffnen, zum Beispiel in Richtung Qualitätssteigerung, Kommunikation mit Kandidaten oder internes Branding, … Meine Aufgabe ist jetzt, das Ganze aufzubauen, in der zweiten Phase zu stabilisieren und in der dritten Phase noch weiter zu optimieren.

Wie wird die Zentralisierung von den verschiedenen Einheiten aufgefasst?

Monica Wertheim: Wahnsinnig positiv! Die Synergieeffekte, die Skalierungseffekte haben sie sofort erkannt: dass es Sinn hat, dass es eine zentrale Stelle gibt, die alle Stellenanzeigen designt, formuliert, postet, den ganzen Bewerbereingang betreut, ein Pre-Screening vornimmt, eine gute Kommunikation zu den Bewerbern gewährleisten kann, ein zentraler Ansprechpartner für alle Einheiten ist, … Ähnliches gilt natürlich auch in Richtung Employer Brand: dass wir unsere Aktivitäten viel besser abstimmen können, dass wir selbstähnlich auftreten. Wie arbeiten wir mit Social Media? Wie integrieren wir uns auch international? Auf welche Messen gehen wir? Wie arbeiten wir mit unseren internen Botschaftern? Wir können jetzt ein gemeinsames Bild auch nach außen zeichnen, was vorher kaum möglich war.

Wo setzt man da an? Was sind Sie gleich zu Beginn angegangen?

Monica Wertheim: Das Erste war natürlich: das Team zusammenzutrommeln, Teambuilding-Maßnahmen durchzuführen und den Status quo zu beurteilen. Wo stehen wir? Wie sehen die Kollegen die Situation? Und wo sind die ersten Aktionsfelder? Ich habe mich natürlich auch mit den Personalkollegen, der Personalleitung der verschiedenen Einheiten, mit dem Vorstand und den Kommunikationskollegen abgestimmt, um daraus einen ersten Entwurf unserer Strategie für das Recruiting und das Personalmarketing zu entwickeln.

Ich beschäftige mich simultan mit dem Aufbau einer Einheit von der Dezentralisierung auf die Zentralisierung sowie mit dem internen Markt (Was bieten wir? Wie ticken wir? Was wissen wir?) und dem externen Markt (Wen suchen wir? Wo kriege ich die her? Und was erwarten die?). Ich habe also eine wahrhaft mehrdimensionale Aufgabe – und sie muss sehr schnell angegangen werden. Gleichzeitig muss ich eine Business Continuity gewährleisten. Denn die offenen Stellen, die wir haben, und alles, was kommt, muss bearbeitet werden, auch wenn wir gerade ein neues Modell aufbauen. Ich vergleiche das immer mit einer Operation am offenen Magen, während ich den Patienten füttere.

Wie schaffen Sie das?

Monica Wertheim: Fragen Sie mich nicht … Ich schlafe kaum! Nein, im Ernst: Man schafft es, weil man eine sehr tiefe Erfahrung hat, wie Sachen funktionieren oder nicht funktionieren. Ich habe ein gutes Team bekommen, und das Unternehmen steht wie eine Eins hinter mir. Ich muss nicht noch intern irgendwelche Kämpfe ausfechten. Im Gegenteil: Das Unternehmen stellt mir alles zur Verfügung, um schnell leistungsfähig zu sein und meinen Job bestmöglich machen zu können – weil das Unternehmen erkannt hat, wie wichtig es ist, dass wir intern und extern unsere Arbeitgebermarke aufbauen und gute Leute gewinnen.

Wo wollen Sie am Ende dieses Jahres stehen?

Monica Wertheim: Wir wollen das Business gut beliefert haben und eine sehr gute Übersicht des Marktes haben – intern wie extern. Ich möchte die Prozesse soweit optimiert haben, dass wir sehr effizient arbeiten und dem Qualitätsanspruch unserer Company entsprechen können. Das ist für mich Priorität Nummer eins. Priorität Nummer zwei ist, uns mit der Marke zu beschäftigen. Was sind die Versprechen, die wir in den Markt geben und auch einhalten können? Das werden wir Ende des Jahres anpacken und 2018 auf den Markt bringen.

Was macht – aus Ihrer heutigen Sicht – die Rheinmetall Group für Bewerber attraktiv?

Monica Wertheim: Der größte Benefit des Unternehmens ist seine wahnsinnig tolle Kultur. Ich erlebe selbst, wie willkommen ich bin, wie einfach mir mein Job gemacht wird, wie viel Hilfsbereitschaft es gibt – über die verschiedenen Einheiten hinweg. Ich kann hier als Unternehmer tätig sein und das wird anerkannt. Das empfinde nicht nur ich so, sondern auch andere neue Mitarbeiter. Wir haben eine absolut geringe Fluktuation. Die Arbeitsatmosphäre, dieser Team-Zusammenhalt ist großartig. In dieser Form – und so schnell – habe ich das noch nie erlebt. Dazu musste ich erst fast dreißig Jahre im Beruf sein!

Unser USP sind die Technologien, aber was mich persönlich noch mehr beeindruckt, sind die Leute, die dahinterstehen – tolle Jungs, aber auch Mädels. Hier arbeiten ganz, ganz helle Köpfchen an Themen, die für die Gesellschaft von Bedeutung sind. Dafür lohnt es sich richtig, einen guten Job machen. Dieser Spirit hat mich schon nach acht Wochen total gepackt. Das ist es, was wir mit unserer EVP greifbar machen müssen und nach innen und außen kommunizieren werden.

Über den Tellerrand geblickt: Welche Trends beobachten Sie im Employer Branding zurzeit?

Monica Wertheim: Die Unternehmen kämpfen immer mehr um die Differenzierung: Was machen wir anders als alle anderen? Bei den Kandidaten beobachte ich eine immer stärkere Konsumentenhaltung. Arbeitgeber werden als Shoppingtempel angesehen. Daher wird das Thema Marketing immer bedeutender: dass man ganz detailliert ausarbeitet, was das Unternehmen ausmacht, und genau die Botschaften formuliert, die die Konsumenten einfach und verständlich übernehmen können, um die Unternehmen voneinander abzugrenzen. Das war bereits wichtig, wird aber künftig noch wichtiger – weil sich der Kampf um die Talente weiter verschärft. Diese schließen sich den Unternehmen an, die Mehrwert für die Kandidaten und die Gesellschaft bieten, also in Megatrends wie Sicherheit oder Mobilität marktführend sind und das immer wieder aus Neue beweisen.

Differenzierung stand auch in der Vergangenheit bereits auf der Agenda. Ist sie denn nicht gelungen?

Monica Wertheim: Ganz ehrlich: Schauen Sie sich zwanzig, dreißig Karriereseiten an. Sie finden überall die gleichen Platzhalter. Wenn man sie durchgeht – Hand aufs Herz –, findet man nicht unbedingt das, was die Unternehmen unterscheidet, was sie einzigartig macht und den Kandidaten sagen lässt: „Wow, da will ich hin!“, sondern das, was sie alle verbindet. Dabei sind es doch komplett verschiedene Unternehmen! Ja, alle sprechen von Herausforderungen, aber bringen wir die wirklich so auf den Punkt, dass für den potentiellen Kandidaten deutlich wird, was für ihn der Unterschied ist? Und wo sie oder er den Unterschied machen kann? Da müssen wir noch viel, viel professioneller werden, auch in unserem Unternehmen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns.

Gibt es einen weiteren Trend, der Ihnen besonders aufgefallen ist?

Monica Wertheim: Die digitale Kommunikation wurde sehr stark ausgeweitet, was gut und wichtig ist. Aber das Persönliche ist ein Stück weit verloren gegangen. Zumindest was mich und unser Unternehmen betrifft, spüre ich einen sehr starken Drang, sich darauf zurückzubesinnen. Der Kandidat ist auch ein Kunde. Er möchte ganz spezifisch für sich, sehr individuell angesprochen werden. Idealerweise kann er auch mit seinem potentiellen neuen Vorgesetzten sprechen und die Arbeitsatmosphäre in dem Team erleben, in das er eventuell einsteigt. Der Recruiter könnte in der Zukunft also mehr ein Koordinator sein, und Recruiting und Employer Branding wirklich von den Mitarbeitern selbst gemacht werden. Das Persönliche Rede-und-Antwort-Stehen wird, glaube ich, zunehmen. Ich würde es mir wünschen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Frau Wertheim, und weiterhin viel Erfolg mit Ihrer neuen Aufgabe!