Universum ist führend in der Entwicklung von Arbeitgebermarken auf Basis breiter Marktforschung. Mit über 25 Jahren Erfahrung und Niederlassungen auf der ganzen Welt unterstützen wir multinationale Unternehmen, Talente zu finden und für sich zu gewinnen. Wir helfen ihnen, bessere Arbeitskräfte zu bekommen – ganz einfach.

„Kein Trainer verbiegt seine Athleten!“

Was kann man vom Leistungssport für das Employer Branding lernen? Eine ungewöhnliche Frage, auf die Florian Bruhns spannende Antworten hat. Er ist Corporate Talent Sourcing und Employer Branding Manager bei der KWS SAAT AG – und war zuvor unter anderem Executive Director Sport beim Deutschen Golfverband. Ein Gespräch über Visionen, Diversity und Opportunity Recruiting.

Herr Bruhns, was kann man sich vom Leistungssport für das Employer Branding abschauen?

florian_bruhnsFlorian Bruhns: Ich sehe da sehr viele Parallelen. Zum Beispiel zeigt uns der Leistungssport, welche Macht Visionen haben. Ein Trainer arbeitet mit dem, was ein Sportler erreichen und was er sich vorstellen kann. Indem der Athlet seinem Wunsch, seiner Sehnsucht folgt, ist er in der Lage, über sich hinaus zu wachsen und den berühmten Schritt mehr zu gehen. Unternehmen, denen es gelingt, Visionen zu vermitteln, sprechen die richtigen Mitarbeiter an und schaffen eine Kultur, in der Spitzenleistungen möglich sind. Wenn wir unser Unternehmen zum Beispiel an Universitäten präsentieren, geht es deshalb nur kurz um die Branche, Zahlen und Fakten. Stattdessen steht die Arbeitswelt der Zukunft im Mittelpunkt.

Was können Unternehmen noch vom Leistungssport lernen?

Florian Bruhns: Nehmen wir das Beispiel „Diversity“. Aus dem Sport weiß ich: Jeder Mitarbeiter, der ins Unternehmen kommt, wird sich von den anderen unterscheiden und etwas Neues mit einbringen. Kein Trainer verbiegt seine Athleten! Stattdessen erkennt er, welche Stärken der Athlet hat, und fördert sie. Für Unternehmen reicht es nicht, Vielfalt zu akzeptieren und sie als Hygienefaktor zu betrachten. Man muss sie leben und feiern! Der Vergleich mit dem Sport zeigt, wie Diversity ein Unternehmen voranbringen kann – zum Beispiel trainieren Golfer auch mit Gewichthebern, Biathleten oder Boxern.

In Sport und Wirtschaft werden die besten Talente gesucht. Wie findet man sie?

Florian Bruhns: Nicht immer sind die Besten auch die Besten für das eigene Unternehmen! Am Ende des Tages ist die Persönlichkeit ein bedeutender Faktor – bei Sportlern wie bei Mitarbeitern. In vielen Sportarten lernt man, Menschen schnell einzuschätzen, seien es Gegner oder Teamkollegen. Man sieht, wie weit sich ein Mensch entwickelt hat, was seine Stärken sind und wo er seine schwarzen Punkte hat. Ganz besonders wichtig ist das, wenn Talente eingestellt werden, für die es eigentlich gerade keine Stelle gibt – die aber so viel Potential haben, dass man sie unbedingt für sein Unternehmen gewinnen möchte. Mit wachsendem Fachkräftemangel wird dieses so genannte Opportunity Recruiting an Bedeutung gewinnen. Man wird es sich nicht länger leisten können, nur danach auszuwählen, welche Stellen gerade offen sind. Im Leistungssport treffen Sie auf viele Athleten, die auch in einer anderen Sportart Weltklasse hätten werden können. Das trifft auch auf andere Talente zu.

Auch Rückschläge gehören für Leistungssportler zum Alltag – sicher eine besondere Kompetenz …

Florian Bruhns: Wer im Leistungssport keine Niederlagen erleidet, wird kein Weltklasseathlet. Bewerbern könnte man raten, sich daran ein Beispiel zu nehmen und Absagen sportlich zu nehmen. Doch besser wäre es, wenn sich Unternehmen bewusst machen würden, dass sie es in der Regel eben nicht mit Leistungssportlern zu tun haben, sondern mit Menschen, für die eine falsch formulierte Absage signalisieren kann: Du passt überhaupt nicht zu uns, bitte bewirb dich nie wieder! Dabei gab es vielleicht einfach keine passende Position und keinen Talent Pool, der den Kandidaten hätte auffangen können. Absagen sind als Recruiting Touchpoints nicht zu unterschätzen. Wird der Kandidat nicht eingestellt, könnte dies sein Leben lang der einzige Berührungspunkt mit dem Unternehmen bleiben, und er wird seinen Eindruck an andere weitergeben. Deshalb sollten Absagen wenn möglich sogar motivierend sein.

Fast alle Menschen betreiben Sport zumindest als Hobby – ein wichtiger Beitrag zum Karriereziel „Work-Life-Balance“?

Florian Bruhns: Sport ist ideal, um sich einen Ausgleich zu schaffen. Es ist wichtig, sich einen Bereich zu suchen, wo man zu sich selbst findet, eine Zeit, in der man ganz für sich ist. Man braucht allerdings auch den Willen, das zu tun und muss den eigenen Schweinehund überwinden. Unternehmen können Angebote schaffen, eine entsprechende Kultur einführen. Wichtig ist es, die Idee zu implementieren, dass Effektivität nicht davon abhängt, wie lange jemand im Büro sitzt. Man muss nach Wegen suchen, den verantwortungsvollen Kollegen die nötige Freiheit zu geben. Allerdings sind die Mitarbeiter auch selbst in der Pflicht, den Freiraum zu nutzen und Work-Life-Balance zu leben.

Vielen Dank, Herr Bruhns!