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„Die Leitplanken unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsform sind nicht verhandelbar!“

Prof. Dr. Jutta Rump

Prof. Dr. Jutta Rump

Der Blogartikel zur Initiative „Wir zusammen“ hat es bereits gezeigt: Die deutsche Wirtschaft tut bereits einiges, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt einzubinden. Doch wie funktioniert die Integration in der Praxis tatsächlich? Darüber spricht Stefan Lake, Universum Country Manager Germany, mit Professorin Jutta Rump. Sie ist Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen (IBE), das in Kooperation mit dem Personaldienstleister Hays regelmäßig den HR Report erstellt.

Stefan Lake: Schwerpunkt des aktuellen HR Reports ist die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt: Worum geht es dabei?

Stefan Lake

Stefan Lake

Professorin Jutta Rump: Wir haben damit einen Impuls aus den Unternehmen aufgegriffen: Im Rahmen des HR Reports befragen wir immer wieder die gleiche Gruppe von Unternehmen und Personen. Von diesen kamen immer wieder Mails mit dem Hinweis, dass das Thema der Integration von Flüchtlingen von großem Interesse sei. Daraufhin hatten wir die Idee, den Schwerpunkt im aktuellen HR Report darauf zu legen. Denn sind wir ehrlich: Integration erfolgt in unserer Gesellschaft vor allem über die Themen Arbeitsmarkt bzw. Beschäftigung. Das heißt, in unserer sehr beschäftigungs- und wirtschaftsorientierten Gesellschaft ist es für die erfolgreiche Integration von zentraler Bedeutung, auf dem Arbeitsmarkt und in Beschäftigungsverhältnissen anzukommen. Wir haben immer wahrgenommen, dass die Wirtschaft hier etwas tun möchte und auch, dass einige Unternehmen sich bereits engagieren. Aber wir hatten nie ein konkretes Gefühl dafür. Um das zu messen, haben wir einen Fragebogen entwickelt, der ausschließlich die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt in Unternehmen thematisiert.

Wie wurde die Erhebung durchgeführt?

Unternehmen wurden in drei Blöcke eingeteilt: Das heißt, Unternehmen, die bereits Flüchtlinge beschäftigen, haben wir gefragt, was sie tun und mit welchem Erfolg. Firmen, die sich vorstellen können, zukünftig Flüchtlinge zu beschäftigen, haben wir hinsichtlich ihrer Vorstellungen dazu befragt. Und von Betrieben, die sich das gar nicht vorstellen können, wollten wir wissen, was sie davon abhält.

Was waren denn aus Ihrer Sicht die wesentlichen Ergebnisse?

Sehr interessant ist, dass annähernd 20 Prozent der Unternehmen bereits Flüchtlinge beschäftigen. Ungefähr die gleiche Anzahl sieht keine Möglichkeit dafür und immerhin 60 Prozent kann sich eine Beschäftigung vorstellen. Das heißt, wir haben hier eine Gaußsche Normalverteilung. Eine weitere zentrale Erkenntnis ist, dass Unternehmen Flüchtlinge aktuell vorrangig in Hilfs- und Unterstützungs- sowie handwerklichen Tätigkeiten beschäftigen. Firmen scheinen die Integration also zunächst eher mit weniger anspruchsvollen Tätigkeiten auszuprobieren. Das ist auch durchaus nachvollziehbar, schließlich gibt es momentan noch keine formale qualifikatorische Anerkennung. Doch selbst wenn die Qualifikation passt, sind die tatsächlichen Kompetenzen dann doch teilweise unterschiedlich. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass die Erfahrungen mit den beschäftigten Flüchtlingen größtenteils positiv sind. Das mag jedoch auch daran liegen, dass Flüchtlinge, die die Angebote annehmen, generell sehr lern- und integrationsbereit sind. Und auch die Unternehmen, die  Flüchtlinge beschäftigen, nehmen wirklich ihre gesellschaftspolitische Verantwortung wahr und haben damit eine sehr positive Haltung.

Auffällig ist außerdem die mit 48 Prozent hohe Anzahl an Praktika, die fast den befristeten Festanstellungen (44 Prozent) entspricht. Das hat uns positiv überrascht. Ebenfalls interessant ist, dass die Ergebnisse der Gruppe, die bereits Flüchtlinge beschäftigt und derjenigen, die sich eine Beschäftigung vorstellen könnte, sehr ähnlich sind. Auch letztere würden Flüchtlinge beispielsweise vorrangig zunächst in handwerklichen und unterstützenden Tätigkeiten einsetzen. Und die Beschäftigungsverhältnisse, in denen Flüchtlinge denkbar sind, decken sich fast mit der Praxis.

Was sind denn die hauptsächlichen Hindernisse für die Beschäftigung von Flüchtlingen?

Da haben sich drei wesentliche Punkte herauskristallisiert: Das sind zum einen ganz klar sprachliche Barrieren, mangelnde Fachkompetenz und kulturelle Barrieren. Während sich die beiden erstgenannten mit Sprachkursen und Seminare relativ gut zu lösen lassen, sind die kulturellen Barrieren ein schwierigeres Thema.

Ist das auch eine der größten Herausforderungen?

Ja, das sehen wir ganz deutlich als eine der größten Herausforderungen. Unsere Gesellschaft basiert in erheblichem Maße auf den Werten der Aufklärung. Wenn wir unsere Gesetze, die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, bis hin zur breit diskutierten Vereinbarkeit von Familie und Beruf herunterbrechen, bleiben die Werte der Aufklärung:  Freiheit, Gleichheit – auch von Mann und Frau, Gerechtigkeit, Offenheit, Meinungsfreiheit – selbst die Individualisierung unserer Gesellschaft steht in diesem Zusammenhang. Und das gilt es, den einwandernden Menschen, einfühlsam zu vermitteln: Die Leitplanken unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsform sind nicht verhandelbar!

Was würden Sie Unternehmen empfehlen, um erfolgreiche Integration zu gewährleisten?

Auf ganz praktischer Ebene glaube ich, dass Unternehmen gut daran tun, zusätzliche eigene Sprachkurse anzubieten. Schließlich haben Unternehmen immer auch eine eigene Sprache. Darüber hinaus ist das Patenschaftsmodell eine ganz zentrale Maßnahme, die sehr gut funktioniert. Das heißt, Mitarbeiter übernehmen Patenschaften für Flüchtlinge. Sie gestalten den Alltag im Unternehmen gemeinsam. Sie haben jemanden, an dem sie sich orientieren können. So kommen sie ins Gespräch miteinander. Die Stadt Ludwigshafen praktiziert das mit ihren Bürgern und es funktioniert: Die Flüchtlinge bekommen dadurch einen ganz anderen Zugang zu unserer Kultur – und das ist aus meiner Sicht sehr wichtig für eine erfolgreiche Integration.

Herzlichen Dank für das Interview!

Für die ausführlichen Ergebnisse der Studie zur Integration von Flüchtlingen in den  deutschen Arbeitsmarkt können Sie gerne Prof. Dr. Jutta Rump kontaktieren.